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Wer war Ferhat Unvar?

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet.

Einer von ihnen war der 23-jährige Ferhat Unvar.


Ferhat wurde am 14. November 1996 in Hanau als Sohn kurdischer Eltern geboren. Er war das älteste von vier Kindern der Familie Unvar und wuchs im Stadtteil Kesselstadt auf.


Ferhat war ein liebevoller und aufgeschlossener Mensch, der gerne lachte und andere zum Lachen brachte. Er hörte gerne Techno und Hip-Hop und hat Eis-Tee geliebt. Seine Familie und Freund*innen kamen für Ferhat immer an erster Stelle. Für seinen jüngsten Bruder Mirza war er wie eine Vaterfigur. Und auch sein großer Freundeskreis spiegelte seine offene und herzliche Art wider.


In der Schule war Mathematik Ferhats Lieblingsfach. Und er hat es geliebt, philosophische Bücher zu lesen. Aber schon in der fünften Klasse auf dem Gymnasium sagten Lehrer*innen zu Ferhat: "Du wirst es nie zu etwas bringen." Nicht wegen seiner Leistungen – sonder wegen seiner kurdischen Herkunft. 

Ferhats Interessen und Hochbegabung wurden nicht ernst genommen oder gefördert.


Auch nach der Schule war sein Weg voller Hürden: Obwohl er gute Noten hatte, wurde er kaum zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Trotzdem blieb Ferhat offen, zugewandt und hoffnungsvoll. Nur wenige Wochen vor dem Anschlag hat Ferhat seine Ausbildung zum Heizungs- und Gasinstallateur erfolgreich abgeschlossen und hat davon geträumt, eine eigene Firma zu gründen.

 

Für Ferhat war Bildung immer der Schlüssel zu Gerechtigkeit. Immer wieder ermutigte er andere, nicht aufzugeben – ob in der Schule, in der Ausbildung oder im Studium.

 

Ferhat beschäftigte sich oft mit der Chancenungerechtigkeit im Bildungssystem. Er thematisierte die rassistischen Erfahrungen, die er und seine Freund*innen immer wieder erlebten und er war sich bewusst, dass es sich dabei um ein strukturelles Problem handelt. Dafür wollte Ferhat in seinem Umfeld ein Bewusstsein schaffen.

 

Denn Ferhat prägte eine Maxime: Hilfsbereitschaft. Er nahm gesellschaftliche Missstände genau wahr. Sein Ziel war es, das Leben seiner Mitmenschen zu verbessern. Vor allem in seinen Twitter-Posts fand sich dieser Antrieb immer wieder. Dort schrieb Ferhat auch unter dem Profilnamen Hudson D. Kalash:

»Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst.«


Ferhat wurde am 19. Februar 2020 durch einen rechtsterroristischen Anschlag aus dem Leben gerissen wurde – aber seine Träume und Werte leben weiter.


Der Verlust von Ferhat führte zu einer Entscheidung: den Schmerz in Kraft zu verwandeln. Wir wollen Ferhats Werte von Solidarität und Menschlichkeit weitertragen und Aufklärungsarbeit leisten.

Unsere Antwort auf Extremismus ist Zusammenhalt. Für eine gerechte Zukunft für alle.

Zusammen etwas bewirken

Bildung ist die Basis unserer Gesellschaft


WORKSHOPS

Unsere Workshops werden von Jugendlichen für Jugendliche gestaltet. Dabei setzen wir auf das Peer-to-Peer-Konzept: Die Teamer:innen sind junge Menschen, die wir speziell dafür ausbilden.

VORTRÄGE

Wir halten Vorträge an Schulen, Universitäten, in Betrieben und bei verschiedenen Veranstaltungen. Dabei informieren wir über die Geschichte unserer Bildungsinitiative und unsere vielfältigen Wirkungsfelder.

THEMENABENDE

Gemeinsam mit Jugendlichen organisieren wir bildungspolitische Themenabende zu unterschiedlichen Schwerpunkten. Im Austausch lernen wir voneinander, erweitern unsere Expertise und erreichen so immer mehr junge Menschen.

14 November 2025 – Congress Park Hanau

Fünfter Jahrestag Bildungsinitiative

Ferhat Unvar

Wir blicken zurück auf fünf Jahre Bildungsinitiative Ferhat Unvar und feiern Ferhats Geburtstag. Wir wollen uns auch in den kommenden Jahren für mehr Sichtbarkeit und Teilhabe von jungen Menschen einsetzen und so zu einer demokratischen, vielfältigen Gesellschaft beitragen. Dafür brauchen wir eure Unterstützung. Nur gemeinsam können wir Veränderung bewegen. 

»Fünf Jahre ohne Ferhat. Fünf Jahre, in denen Ferhats Name zu einem Symbol für Veränderung, Teilhabe und Solidarität geworden ist.

Danke an alle, die diesen Abend möglich gemacht haben und an Ferhats Geburtstag an unserer Seite waren.

Ein besonderes Dankeschön gilt den jungen Menschen – mit euch lebt Ferhats Kampf für Gerechtigkeit weiter.

Die Zukunft gehört euch!«

Serpil Temiz Unvar, Gründerin und Vorsitzende der Bildungsinitiative Ferhat Unvar e. V. 

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Redner*innen des Jahrestages 2:

INTERNATIONALE KONFERENZ –

„Gegen das Vergessen, für das Leben"

Die Bildungsinitiative Ferhat Unvar und das entstehende Haus für Demokratie und Vielfalt in Hanau veranstalteten am 23. November 2024 die internationale Konferenz „Gegen das Vergessen, für das Leben“ im Congress Park Hanau. Mit über 200 Gästen aus mehr als fünf Ländern widmete sich die ganztägige Veranstaltung den Herausforderungen von Hasskriminalität und Menschenfeindlichkeit. Im Mittelpunkt standen konkrete Ansätze und Strategien zum Umgang mit deren gesellschaftlichen und individuellen Folgen.


HÄUFIGE FRAGEN

FAQ

Was ist das Peer-to-Peer Konzept?

Peer-to-Peer bedeutet Kommunikation unter Gleichen". In unserem Konzept gestalten und leiten Jugendliche Workshops für andere Jugendliche. Statt einer klassischen Lehrer:innen-Schüler:innen-Hierarchie setzen wir auf Begegnung auf Augenhöhe.

Unsere Workshops vermitteln Vertrauen, Offenheit und Authentizität – Werte, die für uns im Mittelpunkt stehen.

Die Bildungsinitiative wurde von unserer Gründerin Serpil Temiz Unvar gemeinsam mit Ferhats Freund:innen ins Leben gerufen. Jugendliche sind das Herzstück unserer Arbeit – und das spiegeln unsere Workshops wider.

Welche Workshops bietet die Bildungsinitiative an?

Wir bieten derzeit zwei Workshops an:

In unserem Antidiskriminierungsworkshop setzen sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Formen von Diskriminierung auseinander. Ziel ist es, zu informieren, zu sensibilisieren und zu stärken. Gemeinsam entwickeln wir Handlungsoptionen gegen Diskriminierung und erarbeiten interaktiv, wie Zivilcourage im Alltag konkret aussehen kann.

In unserem Workshop zum rassitischen Anschlag am 19. Februar 2020 in Hanau schaffen wir einen geschützten Raum für Austausch und Reflexion. Die Teilnehmenden setzen sich mit den Hintergründen und Auswirkungen des Anschlags auseinander – sowhl auf gesellschaftlicher Ebene als auch im Hinblick auf persönliche Betroffenheit. Ziel ist es, die Ereignisse und Hintergründe des Anschlags aufzuarbeiten, die Perspektiven der Betroffenen sichtbar zu machen und gemeinsam zu erarbeiten, wie wir im Alltag Rassismus erkennen, benennen und aktiv entgegentreten können.

Wie werden Teamer:innen ausgebildet?

Junge Menschen, die Interesse am Teamen zeigen, bringen mehr mit als nur Neugier: Sie bringen ihre eigenen Perspektiven und Lebenserfahrungen mit. Persönliche Erfahrungen mit Rassismus oder Diskriminierung können dabei eine besondere Sensibilität und wertvolle Expertise schaffen, die unsere Bildungsarbeit bereichert.

Gleichzeitig ist es uns wichtig, pädagogische Grundlagen der politischen Bildung zu vermitteln. Deshalb bieten wir einmal im Jahr eine kostenlose Demokratie-Trainer:innen-Ausbildung für Jugendliche aus ganz Deutschland an.

Die Ausbildung kombiniert theoretisches Wissen mit praktischer Erfahrung – etwa durch Hospitationen und erste eigene Workshops, die gemeinsam mit erfahrenen Teamer:innen durchgeführt werden.

AKTUELLES

Unsere neuesten Veröffentlichungen – zum Download und Nachlesen.


Supporting Victims of Hate Crime: Recommendations for Action for Psychological, Institutional, and Civil Society Work

Policy paper for the project „Strengthening empathy. Connecting networks.“ of the Ferhat Unvar

Educational Initiative e.V., Preface by Prof. Dr. Andreas Zick


This policy paper ends with recommendations for action that analyse what civil society in Hanau and elsewhere needs in the wake of hatred, terror, and death. It works out which networks need to be strengthened and how, in order to provide people with protection, strength, a voice, a culture of remembrance and much more in the aftermath of an incomprehensible act of violence. It is an attempt to get a grip on the uncertainty that hatred has created and, at the same time, to strengthen the common space inhabited by the people who live there. This is to

make sure that the deceased can be remembered, those who are alive can be safer in their community, and the walls and borders against hatred and violence can be tightened. In my opinion, it is about daring the impossible again and again: To give voice, strength, and dignity

back to those who were attacked and degraded, to those who were to be destroyed and expelled, to those who were killed and were to be murdered in the attempt to signal that they do not belong here.


The full policy paper in English and German can be downloaded below.



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