Ferhat sprach und ich schwieg.
Von klein auf erlebte mein Sohn Rassismus. Von Lehrer:innen, auf den Straßen und im Alltag.
Er sprach mit mir, teilte seine Erfahrungen – doch ich sagte nur, dass er sich mehr anstrengen müsse in der Schule.
Serpil Temiz Unvar
Genau hier setzt die Bildungsinitiative Ferhat Unvar an. Um die Stimmen junger Menschen zu hören und ernst zu nehmen, haben wir einen Raum für Austausch geschaffen. Unsere Initiative entstand aus dem Widerstand und Engagement der Familienangehörigen und Freund*innen von Ferhat. Gemeinsam reflektieren wir Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung. Gleichzeitig bieten wir einen geschützten Ort, an dem Schmerz und Leid ausgesprochen werden dürfen. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit jungen Menschen ihre Bedürfnisse sichtbar zu machen und sie darin zu stärken, mit Erfahrungen von Rassismus und Diskriminierung umzugehen.
Wir bieten Informationsveranstaltungen und -materialien, kreative Workshops und Themenabende für junge Menschen an. Gleichzeitig ist es uns ein wichtiges Anliegen, präventiv zu arbeiten. Der Einsatz gegen Rassismus und Diskriminierung ist eine gemeinsame Verantwortung – also auch von Lehrer:innen und Mitschüler:innen, die selbst nicht betroffen sind. Denn nur gemeinsam können wir zu einer nachhaltigen Veränderung unserer Gesellschaft beitragen. Dafür bieten wir folgende Sensibilisierungsworkshops an:
In diesem Workshop werden die Teilnehmenden über unterschiedliche Diskriminierungsformen informiert und sensibilisiert. Ihnen wird ein Raum zu Austausch und zur Reflektion gegeben. Dabei hören sie unterschiedliche Perspektiven und lernen, dass die Betroffenenperspektive bei Diskriminierung immer im Fokus stehen sollte. Wir tauschen uns über Handlungsmöglichkeiten gegen Diskriminierung aus und erarbeiten interaktiv, wie wir im Alltag Zivilcourage zeigen können und wollen. Dieses Angebot wird als ein Einstiegsworkshop zum Thema Diskriminierung empfohlen.
Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischem Motiv getötet. Diese Tat reiht sich in einer Chronologie rechter Gewalt und rechtem Terror ein. Diese Tat war ein Angriff auf das Zusammenleben aller Menschen in Deutschland. Wir möchten auf Grundlage des 19. Februars Schüler*innen einen Raum zum Austausch geben. Wir informieren die Teilnehmenden über die Geschehnisse und setzen uns gemeinsam mit den gesellschaftlichen Folgen des Anschlags auseinander. Dabei fragen wir auch, welche Auswirkungen das Ereignis persönlich auf uns hat. Im Mittelpunkt des Workshops steht der kontinuierliche Widerstand der Betroffenen. Wir möchten ihren Perspektiven und Forderungen Raum geben und gemeinsam darüber nachdenken, wie gesellschaftliche Teilhabe und Veränderung gelingen können.
Dieser Workshop richtet sich an alle Kinder von der Grundschule bis zur Klasse 7. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Grundschulklassen, da frühe Sensibilisierung und Stärkung eine zentrale Rolle für ein respektvolles Miteinander spielen.
Im Mittelpunkt des Workshops stehen die Themen Zusammenhalt, Respekt und wertschätzendes Miteinander. Mit altersgerechten, spielerischen und interaktiven Methoden setzen sich die Kinder damit auseinander, was Diskriminierung bedeutet, wie sie sich anfühlen kann und warum Ausgrenzung verletzt. Sie erhalten einen geschützten Raum, um Fragen zu stellen, eigene Erfahrungen zu teilen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. Ziel des Workshops ist es, die Kinder in ihrer Wahrnehmung, Sprache und Handlungssicherheit zu stärken. Die Teilnehmenden lernen, Diskriminierung zu erkennen, Empathie zu entwickeln und mutig zu handeln, wenn andere unfair behandelt werden. So werden sie frühzeitig für ein solidarisches und respektvolles Zusammenleben sensibilisiert und in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt.
Unsere Workshops werden von Zweier-Teams im Peer-to-Peer-Prinzip durchgeführt – von jungen Menschen für junge Menschen – und dauern insgesamt rund drei Stunden. Neben kurzen Inputs arbeiten wir vor allem interaktiv. Dabei ermutigen wir die Teilnehmenden, eigene Gedanken zu reflektieren und eine kritische Haltung zu entwickeln. Ein besonderer Fokus liegt darauf, zu verstehen, welche Auswirkungen Diskriminierung und Rassismus auf Betroffene haben und wie durch mehr Aufmerksamkeit und Sensibilität ein respektvolles Miteinander gefördert werden kann.
Dabei möchten wir den Blick der Teilnehmenden stärker auf die Perspektiven von Betroffenen lenken und sie darin bestärken, Solidarität zu zeigen.
Haben Sie Interesse an einem Workshop? Dann kontaktieren Sie uns gerne über das Kontaktformular auf unserer Webseite oder schreiben Sie eine E-Mail an bildung@bildungsinitiative-ferhatunvar.de.
Für Hanauer Schulen und Vereine sind unsere Bildungsangebote kostenlos.
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